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Bukit Lawang – Orang Utans, Palmöl & Gänsehaut Momente

„Wie lange noch?“ Wir haben bereits 5 Stunden Fahrt hinter uns. Wir checken unsere wohl meistbenutzte App: maps.me. Noch zwei Kilometer. 

Unsere Blicke schwenken von links nach rechts und überall erblicken wir nur Palmöl Plantagen! Nachdenkliche Stille macht sich auch unter den anderen Reisenden breit – offensichtlich nicht nur wegen der löchrigem Pfad, den man kaum als Strasse betiteln kann. Und wir können es kaum glauben, dass wir nur noch 5 Fahrtminuten vom Zuhause der vom Aussterben bedrohten Sumatra Orang Utans entfernt sind.  Schätzungsweise gibt es noch 6'000 von unseren rothaarigen Verwandten während in den 90er Jahren die Zahl noch beim Zehnfachen lag. 

 

Wir sind auf dem Weg nach Bukit Lawang, dem Eingangstor in den Dschungel wo auch eine halbwilde Gruppe Orang Utans zuhause ist.

Halbwild deshalb, weil sie vor Wilderern und der Abholzung ihres Lebensraumes gerettet wurden und vor Jahren langsam wieder ihrem ursprüngliches Zuhause überlassen wurden. Die Tiere haben sich also über die Jahre an den Mensch gewöhnt und haben keine Angst vor den Guides & den ganzen Touristen.

Dadurch hatten wir die Möglichkeit, die Tiere aus nächster Nähe zu erleben, was in uns im Vorfeld auch ein kleines Dilemma auslöste. Denn wir fragten uns, ob dies dann nicht eher einem Zoo gleich kommt und die Tatsache, dass es eben nicht ganz wilde Orang Utans sind liess uns zweifeln. Doch wir sollten es nicht bereuen...

Bukit Lawang ist ein verschlafenes Dorf an den Ufern eines Dschungel Flusses gelegen. Um zu unserem Homestay zu gelangen mussten wir die wohl wackeligste Brücke der Welt überqueren. Unter uns badeten die Kinder und winkten uns zu "Hello Mister", während die Mütter nebenan die Wäsche machten. 

Einen Tag später stehen wir da. Im Dschungel Sumatras und beobachten die „Waldmenschen“ – so die wörtliche Übersetzung von Orang Utan aus dem Indonesischen - wie sie mit ihren langen behaarten Armen locker flockig von Baum zu Baum schwingen.

Darunter Mütter mit ihren Jungen. Wir hatten die Möglichkeit die Tiere aus nächster Nähe zu sehen, ihre Gesichtsausdrücke zu beobachten und Fotos zu schiessen. Unglaublich, wie ähnlich die sie uns sind, so dauert eine Schwangerschaft bei einem Weibchen auch 9 Monate und die Mutter kümmert sich 8 Jahre lang liebevoll um ihr Junges.

 

Bei unserem Mittagessen im Dschungel, zu dem es gebratenen Reis und frische Ananas & Passionsfrüchte gab, sagten wir unserem Guide, dass nun nach den 8 Orang Utans die wir sehen durften nur noch ein männlicher fehlt. Wir wollten diese Backen sehen. Er lachte meinte "Maybe, if you're lucky." Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf den Weg über Stock und Stein. Und plötzlich signalisierte uns unser Guide, stehen zu bleiben.

 

Da vorne stand ein 45-jähriger 90 Kilogramm schwerer männlicher Orang Utan – King Louie wie aus dem Dschungelbuch. Um an ihm vorbei zu kommen, musste unser Guide ihn bestechen sozusagen einen kleinen Bananen-Zoll bezahlen. Die Tiere sind nämlich nicht ungefährlich und so ein männlicher Orang Utan ist um ein Vielfaches stärker als ein Mensch.

Dieser Orang Utan hatte immer in der Wildnis gelebt, ist jedoch immer wieder bei der Auffangstation aufgekreuzt, um sich ein paar Bananen zu holen. Er weiss also, wie's funktioniert. Als er dann mit Essen beschäftigt war, konnten wir langsam an ihm vorbeigehen. Nur zwei Meter von uns entfernt sass er da uns schaute uns mit seinen tiefen Augen an. Gänsehaut Moment pur! 

 

Im Nachhinein können wir sagen, dass dieses Trekking in den Regenwald von Sumatra ein unvergessliches Erlebnis war. Da die Touren alle am gleichen Ort starten, waren Anfangs noch viele Gruppen unterwegs anzutreffen, vor Allem wenn ein Orang Utan gesichtet wurde. Die Tiere aus allernächster Nähe zu sehen, ihre Hände, Gesichtsausdrücke & Gesten zu beobachten und gleichzeitig zu wissen, dass sie hier in ihrem natürlichen Lebensraum frei sind. All das hat uns so sehr berührt, dass wir sie nie mehr in einem Zoo eingesperrt sehen wollen. 

Wir wünschen uns, dass sie nie mehr von hier flüchten müssen, weil der gierige Mensch ihnen das eine nimmt, was sie brauchen: ihren Lebensraum.

(Das größte Problem hierfür ist die steigende Nachfrage nach Palmöl: Dieses Öl ist ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung vieler Kosmetikprodukte und Lebensmittel, wie Margarine oder Nutella - welches zu 50% aus Palmöl besteht. Bei uns landen nun viele Snacks wieder zurück im Regal und wir entscheiden uns bewusst für nachhaltige Alternativen oder eben frische Früchte. Wir alle haben die Wahl!)

Wusstest du schon, dass wir einen eigenen You-Tube Kanal haben, wo wir jeweils unsere Videos bereitstellen?

Hier geht's dann schon mal zum Sumatra Video.

Und falls du uns auf Instagram noch nicht folgst, dann wird es heute höchste Zeit.