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Samarinda – 3 Tage Flussleben auf Borneo

„Vielleicht so einmal pro Woche“, meinte der ältere Herr, der uns das Bus Ticket verkaufte. So oft kommt hier ein Tourist vorbei. Auf dem Weg zum drittgrössten Fluss der Welt.

Als wir einen Tag zuvor in Samarinda ankamen, wurde Mischa gleich ein altes Nokia 3210 ans Ohr gedrückt. Fragend schaute er den Verkäufer, der von Chips über Medikamente bis hin zu Zigaretten alles verkaufte, an. „Tour Guide.“, sagte dieser nur. Für uns war jedoch bereits nach ein wenig Recherche im Internet klar, dass wir diese Tour entlang des riesigen Flusses ins Inland Borneos auf eigene Faust machen wollten. Schliesslich sprechen wir beide mittlerweile ein wenig indonesisch und das reicht völlig aus, um uns durchzufragen und auch in abgelegenen Gebieten klar zu kommen. 

„Muara Muntai.“ Da wollten wir hin. Doch der Name des Dorfes löste bei den Einheimischen an der Busstation kein Aha-Erlebnis aus und als wir nachfragten, ob es dort schön sei gab’s ein Schulterzucken. Also liessen wir uns überraschen. Unser Bild im Kopf bereitete uns auf Plumpsklos, romantisches Kerzenlicht und staubige ungeteerte Strassen vor.

Als wir nach einigen holprigen, stickigen Stunden Busfahrt und einer regnerischen Bootsfahrt dann schliesslich in Muara Muntai ankamen, staunten wir nicht schlecht: Das ‚kleine Dorf’ zählte circa 6000 Einwohner, Roller verkehrten auf der Holzbretter Strasse und die Kinder spielten auch hier bereits mit Smartphones. Die kleine Flussstadt sah aus als wäre sie gerade einem Western Film entsprungen.

Bevor wir uns auf die Suche nach einem Bootsmann für den nächsten Tag machten, checkten wir erst einmal in unsere 7-Dollar-Suite ein und spannten das Moskitonetz & die Hängematte auf.

Die Menschen, deren Weg wir hier im Flussland Borneos kreuzten, wollten alles von uns wissen: Woher wir kommen, was wir hier überhaupt machen und wie alt wir sind. Auf diese Frage folgte dann schlussfolgernd sogleich ob wir denn schon verheiratet sind und ob (oder wieso) wir (noch keine) Kinder haben. UND ob Mischa in Italien in der Nähe von Valentino Rossi wohnt – denn diesen, und zur Abwechslung nicht Francesco Totti - kennen hier wirklich alle.

Bei zwei Fragen flunkerten wir üblicherweise.

1. beim Alter: Mischa gibt sich anfangs mehr oder weniger erfolgreich als 25-jährig aus und amüsiert sich wenn es ihm ohne wenn und aber abgekauft wird. Was in gut 7 von 10 Malen der Fall ist. Denn genau so wie wir Schwierigkeiten haben, die Asiaten einem Alter zu zuordnen, können sie unsere westlichen Gesichtszüge nicht abschätzen.

2. bei der Ehefrage: wir befinden uns gerade in einem sehr streng muslimischen Land und es gehört sich hier nicht für einen Mann & eine Frau zusammen in einem Zimmer zu schlafen, wenn man nicht schon den Bund der Ehe vor Allah geschlossen hat. Um die Leute hier nicht vor den Kopf zu stossen beantworten wir diese Frage also lieber einmal mehr mit einem "Ja" und lächeln uns gegenseitig tief in die Augen schauend an. 

Nach einer entspannten Nacht mit überdurchschnittlich viel Regen und dem üblichen Gebetsruf des Muezzins um 4:30 Uhr morgens (von einer der gefühlten 6 Moscheen, die uns in unmittelbarer Nähe umgeben zu scheinen) waren wir bereit den Mahakam Fluss zu erkunden.

8 Stunden auf einem kleinen, mit Rasenmäher Motor angetriebenen Boot, welches in unserer romantischen Vorstellung irgendwie an eine Gondola in Venedig erinnerte.

So tuckerten wir den Fluss hinauf, vorbei an Dörfern, die ausschauten als wären sie gerade dem Film 'Waterworld' entsprungen. Frauen, die an den Ufern ihre Wäsche wuschen, frische Fische ausnahmen und die Zähne putzten. Wohlgemerkt alles mit dem selben braunen Wasser des Flusses vor ihrer Haustür. Nebenan dann gleich das spartanische Toilettenhäuschen, welches natürlich alles direkt und ungefiltert in den Fluss plumpsen lässt. 

Diese 3 Tage auf dem Wasser haben uns wieder einmal die Augen zu einer uns fremden, komplett einfachen Welt geöffnet.

3 Tage Natur pur.

3 Tage „Hello Mister.“ – und damit waren jeweils wir BEIDE gemeint.

3 Tage in denen wir neue Einsichten in die hohe indonesische Kunst des Busfahrens gekriegt haben. Frei nach dem Motto "Es gibt IMMER noch einen Platz für einen Passagier mehr."

3 Tage in denen wir die einzigartige Artenvielfalt Borneos bestaunt haben. Inklusive Nasenaffen & Nashornvögel.

3 Tage mit Vielem aber vor Allem diesem Blickwinkel.

Hier geht's zu unserem Kalimantan Video mit ein paar Eindrücken vom Mahakan River

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