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Unsere Erkenntnisse nach 5 Tagen Amazonas

Der Mond scheint durch das Netz unseres Zelts - die Geräusche allerlei Regenwaldbewohner durchdringen die Nacht. „Was werden wir wohl unseren Kindern einmal von dieser Erfahrung hier weitergeben?“ „Dass es einen Ort auf der Welt gibt, wo es unglaublich schön laut wird, wenn man denn ganz leise ist.“

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Ok, und das war so ziemlich alles an Romantik, was dieser Trip zu bieten hatte. Als wir dieses Abenteuer bei unserem Guide in einem kleinen Tour Büro im verschlafenen Amazonas Dorf Misahualli buchten, hatten wir ehrlich gesagt nicht die leiseste Ahnung, was uns da erwarten würde.

Von Misahualli ging es zuerst 3 Stunden mit dem Auto Richtung Yasuni National Park bis zu dem Punkt, an dem wir nicht mehr weiterkamen. Dort warteten schon zwei junge Männer der Gomataon Familie mit Ihrem 10 Meter langen und circa 80cm breiten Kanu auf uns. Vier Stunden tuckerten wir mit dem wackeligen Kanu den Fluss runter bis wir beim Dorf mit einigen Strohhütten ohne Strom- oder Wasserversorgung ankamen. Hier würden wir für die nächsten fünf Tage unser Zelt aufschlagen. 

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Kaum haben wir Fuss auf das Festland gesetzt, wurden wir auch schon von den Mücken nur so gefressen. Die mussten wohl so richtig zuschlagen, wenn sich endlich mal zwei Gringos in den Amazonas verirren. Hier konnten wir unser Anti-Brumm gebrauchen – und wie!

Von einer Toilette war weit und breit nichts zu sehen, wir fühlten uns von den Frauen & Kindern beobachtet, es war glühend heiss und die Insekten besiedelten uns. Perfekt! Langsam aber sicher machte sich ein kleiner Kulturschock breit.

Doch um eines vorwegzunehmen: man gewöhnt sich anscheinend an alles! Bereits am nächsten Tag fühlten wir uns schon fast wie Regenwaldbewohner, haben uns an all’ die giftigen Ameisen, Vogelspinnen & gefährlichen Pflanzen um uns herum gewöhnt und wurden in die Familie der Gomataon herzlich aufgenommen.

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Einige lebenswichtige Sicherheitsvorkehrungen galt es im Daily Life jedoch zu beachten: Unsere Schuhe wollten jedes Mal vor dem Anziehen auf mehrbeinige Urwaldbewohner überprüft, das Zelt in Rekordzeit nach uns zugezogen & der Mückenspray fleissig gesprüht werden.

Doch die grösste logistische Herausforderung war wohl das Duschen im braunen Fluss, mit Kleidern wohlgemerkt. Das haben wir vorher von unserer neuen Familie abgeguckt. Ansonsten wären wir natürlich niemals darauf gekommen und wären fünf Tage lang stinkend umhergewandert. „Welche Kleider ziehen wir heute zum Duschen an?“ diese Frage mussten wir uns echt noch nie in unseren 30 Lebensjahren stellen. Das Gute an diesem System: man hat Dusche & Waschmaschine in einem. Zwei Fliegen mit einer Klappe also! Wäre da nicht ein kleines Problem Namens Regen und die daraus resultierende Feuchtigkeit, die das Trocknen der Kleider fast unmöglich macht. Aber das war dann wohl unsere kleinste Sorge, weil: ihr erinnert euch daran, dass es weit und breit keine Toilette gab?! Soviel zu unseren 1.Welt Problemen.

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Unsere Wanderungen im Regenwald waren faszinierend, grün, stickig, ziemlich nass und schlammig. Wir wussten beide nicht mehr wann wir zum letzten Mal das Vergnügen hatten, Gummistiefel zu tragen. Nun wissen wir definitiv wieder wie nützlich die Dinger sind, wenn man knietief im Schlamm steht oder eine Vogelspinne probiert dein Hosenbein zu erobern.

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Es ist unglaublich, was die Einheimischen und unser Guide hier alles sehen und entdecken: vom Frosch getarnt als Blatt, über natürliche Medizin bis hin zu essbaren Zitronen-Ameisen. Sie kennen den Regenwald besser als wir unseren ziemlich übersichtlichen Rucksack nach 2 Monaten reisen. Sie schreiten mit der Machete durch das Dickicht und bauen innerhalb von wenigen Minuten einen Tisch mit Material, welches der Wald grosszügig zur Verfügung stellt. Das Ganze ohne Nägel, Hammer oder IKEA-Anleitung!

Wir wissen jetzt übrigens auch, dass das 10 Meter lange Kanu aus einem einzigen massiven Baumstamm von Hand gewerkt und in einem zwei wöchigen Projekt von der Schnitzstelle durch den Dschungel bis zum Fluss geschleppt wurde.

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Was wir nach 5 Tagen im tiefen Amazonas sonst noch so wissen...

...man kann einen Alligator mit dem richtigen Handgriff und einer Portion Mut aus dem Wasser fischen – wir nannten unseren Guide   übrigens auch Luis Norris

...es gibt Menschen wie wir, die zögern sich im braunen Fluss zu waschen während andere genau dieses Wasser trinken ohne es vorher abzukochen

...wie gesagt: man gewöhnt sich wohl an alles...

...das Streichholz-Kanu, das an einen Wackeldackel erinnert, kippt so schnell nicht

...Kinder sind mindestens genau so glücklich (oder mit grosser Wahrscheinlichkeit glücklicher) wenn sie mit Dreck spielen anstatt auf einem Ipad rumzutippen

...Zitronen-Ameisen sind saurer als sizilianische Zitronen

...wir würden alleine im Amazonas keine 2 Tage überleben

...und falls doch wir eine Nacht im tiefen Regenwald verbringen müssten (während uns hoffentlich jemand sucht), empfiehlt es sich einen Baum auszusuchen, der nicht dick genug ist, dass ein Jaguar raufklettern könnte, aber doch genug stark um uns dort oben zu halten. Alles klar?

...die Einheimischen hier treffen mit dem Blasrohr aus 15 Meter Distanz zwar ins Schwarze, dafür stellen sie sich beim Öffnen einer einfachen Wasserflasche ziemlich dusselig an

...wir wissen jetzt warum dieser wunderbare Ort Regenwald heisst

...eine warme Dusche nach 5 Tagen im feucht-schlammigem Amazonas ist wie Geburtstag, Ostern & Weihnachten gleichzeitig

...Abschied zu nehmen ist nie schön, darum sagen wir lieber bis bald auch wenn wir wissen, dass es nicht so sein wird

...es lebt sich definitiv ziemlich gut ohne WiFi aber...

...auch die Amazonas Bewohner abseits jeder Zivilisation haben ein Facebook Profil – wir warten noch auf die Freundschaftsanfragen

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