Bali, Indonesien, Postcards, Unsere Weltreise

Von Reisemüdigkeit, Heimweh & anderen Krankheiten

Wir säuseln euch hier auf unserem Blog regelmässig die Ohren voll von atemberaubenden Orten, unvergesslichen Momenten, exotischen Gerichten & wunderbaren Bekanntschaften.

Reisen ist eine der schönsten Sachen der Welt, für uns ist dies keine Frage! Doch gibt es auch ein ZUVIEL davon? Vor ein paar Monaten noch hätte ich den Kopf geschüttelt. Doch mittlerweile hat sich mein Blickwinkel ein wenig geändert.

Ich (Andrina) sage bewusst „mein Blickwinkel“, da ich hier frei von meinem Herz plaudere.

Klar sprechen Mischa und ich auch immer mal wieder über unsere Gefühlslage, wenn wir denn nicht denn gerade mit dem Planen unserer nächsten Schritte beschäftigt sind. Trotzdem ist dieser Blogpost aus einem Zusammenspiel von meinem Kopf & Herz entstanden. Wobei das Herz schon ziemlich dominiert. 

14 Monate vergingen...

...in denen wir 14 Länder erkundeten

...in denen wir auf 38 Flügen sassen

...in denen wir 47 Städte entdeckten

...in denen wir auf 34 Inseln tummelten

...in denen wir 18’557 Fotos schossen

...von denen wir nach sorgfältiger Auswahl die besten 2'651 behalten haben

Zurück nach Südostasien.

Nach meinem 2-wöchigen Kurzurlaub in der Schweiz war ich MEHR oder WENIGER bereit wieder die Tasche zu packen und in die weite Welt hinauszugehen - zurück zu Mischa, der am Flughafen in Kuala Lumpur auf mich wartete.

Das „mehr“ waren defnitiv mein Amore, das Kokosnussschlürfen, Meeresbrisen & das einfache Chaos Südostasiens. Das „weniger“ war das Abschiednehmen von Freunden und Familie, deren Nähe ich in den kurzen 2 Wochen einfach unglaublich genossen habe.

Am Flughafen in Zürich wurde mein Herz dann richtig auf die Probe gestellt, als auch noch Lion mein kleiner Göttibub mitkam und nachdem mein Gepäck eingecheckt war fragte: „Gotti, bleibst du jetzt für immer in den Ferien?“ Ich atmete tief durch und merkte wie mir das Wasser in die Augen schoss. "Nein, nein Mischa & ich kommen dann nach unserem langen Urlaub irgendwann sicher wieder zurück." Zum schweren Abschiednehmen kam auch noch eine seit Monaten heftiger werdende Flugangst dazu, die mich zur Verzweiflung trieb...

4 Flughäfen, 18 Stunden und 1 Wiedersehen später: Die Hitze, das asiatisch koordinierte Chaos, die exotischen Gerüche – alles schrie mir lachend „Welcome back to Asia“ zu. Und ich freute mich auf das erste Curry mit Reis (klar!), frisch aufgeschlagene Kokosnüsse zu schlürfen und Spuren auf weissen Sandstränden zu hinterlassen. 

Volles Reisetempo voraus.

Mit vollem Reisetempo ging es weiter von Malaysia nach Sumatra. Alle 3-4 Tage packten wir unsere Rucksäcke. Dabei galt es zu forschen wie wir am besten, schnellsten & günstigsten von A nach B kommen, buchten Unterkünfte und hielten gleichzeitig nach Strassenküchen Ausschau, die unseren "Reisehunger" stillten. Ja das Reisen ist zwar Seelenbalsam, verlangt uns aber körperlich & geistig extrem viel ab. Seit mehr als einem Jahr. 

Die Wochen vergingen, vom Strand ging’s über Vulkane bis in den Dschungel. Unsere Kamera füllte sich mit Videos, Fotos und tausende Eindrücke prasselten auf uns ein. Das erste Mal, als ich mich fragte „sind wir etwa reisemüde?“, war als wir auf dem Borobodur Tempel auf Java standen.

Hier waren wir also, auf dem grössten buddhistischen Tempel der Welt, wortwörtlich steinalt & eines der UNSECO Weltwunder. Aber der Wow-Effekt der kam einfach nicht. Wenn man über längere Zeit so viel gesehen, erlebt und erfahren hat, kommt irgendwann das Gefühl, dass alles irgendwie schon einmal da gewesen ist. Man fängt plötzlich an zu vergleichen - und noch schlimmer: zu werten.

Reisemüde.

Und ich merkte langsam, ich bin müde – erschöpft. Mein Körper und Kopf meldeten sich mit allen möglichen Signalen: Schmerzen, Fieber & Magenprobleme wechselten sich regelmässig ab. Mein Nacken war steinhart und verspannt. Verspannt vom Tragen des Rucksackes, vom ständigen Planen, von stundenlangen Auto- & Busfahrten mit 140 km/h auf der Autobahn ohne Sicherheitsgurte, von Flügen auf denen ich mit unnötiger Flugangst kämpfe. 

Ich sehnte mich über Wochen danach, irgendwo anzukommen. Meine Batterien, die sich immer schneller zu entleeren schienen, wieder aufzuladen. Einfach mal zu bleiben.

Als sich auf Borneo auf einer abgelegenen Insel ohne Strom, mobiles Netz, fernab vom Festland eine Ohrenentzündung mit hohem Fieber anbahnte und mein Körper gar nicht mehr mitmachte, wusste ich, dass wir nicht in diesem Tempo weiterreisen können. Es fiel nicht leicht, mir dies einzugestehen aber dass dieser Moment nach so langer und intensiver Zeit auf Reisen kommt, war eigentlich klar.

Heimweh.

Und dann ist da die Sehnsucht. Sehnsucht, nach einem Zuhause (mit Küche, ja die Küche!), irgendwo anzukommen. Familie und Freunde fehlen. Wie wär's mit frischem Brot und unverschämt gutem Käse? Frischer Luft zu atmen? Und vielleicht zur Abwechslung auch mal saubere Strassen die man in aller Ruhe an einer Ampel überqueren kann? Boa ja, das würden wir jetzt wieder ganz neu schätzen. Und das alles findet man in einem kleinen Paradies namens Schweiz. 

Sehnsucht oder Heimweh? Irgendwie gehen die Hand in Hand. Aber ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass wir einen der letzten Briefe unserer Abschiedsparty mit der Aufschrift „Öffnen wenn ihr Heimweh habt.“ Jemals lesen werden. Vor zwei Wochen habe ich ihn rausgenommen, Mischa angeschaut, er hat genickt und wir haben ihn gemeinsam gelesen.

"Irgendwann kommt das erste Heimweh. ...ich wünsche euch dass es ganz schnell wieder verschwindet und ihr euch mit neuer Energie weiterhin in euer Abenteuer stürzt." 

Irgendwie schade, diese Reisemüdigkeit aber zugleich auch schön, weil man merkt, dass es keinen Ort wie Zuhause gibt. Zuhause ist für uns, wo unsere Familie ist. Und wo unser Herz ist. 

Bali ist zwar nicht ganz unser Zuhause, aber offensichtlich unser kleiner Asien Wohlfühlort fern von der Heimat, an das wir schon vor längerer Zeit ein Stück unseres Herzens verloren haben. Wir haben uns deshalb entschieden die nächsten Tage, wahrscheinlich Wochen, vielleicht Monate, (keine Jahre – ihr könnt mehr oder weniger beruhigt weiterschlafen, liebe Mamis) hier zu bleiben, anzukommen, aufzutanken & Inspirationen für unsere Zukunftspläne zu suchen. Mal sehen was unserer Reiselust noch so mit uns vorhat.

Wusstest du schon, dass wir einen eigenen You-Tube Kanal haben, wo wir jeweils unsere Videos bereitstellen?

Und falls du uns auf Instagram noch nicht folgst, dann wird es heute höchste Zeit.